Die von der Stadt Wels beauftragte Agentur zur Rekrutierung von Fachkräften innerhalb der EU für den Pflege- und Langzeitpflegebereich hat innerhalb eines Jahres nicht eine einzige geeignete Person für die Welser Einrichtungen gewinnen können. Trotz ausbleibender Ergebnisse droht die Stadt nun auf Honorarzahlungen in Höhe von 72.000 Euro sitzen zu bleiben. Für SPÖ Gemeinderat Johann Reindl-Schwaighofer ist dieses Ergebnis ein deutliches Signal dafür, dass die Sozialreferentin über keine geeignete Fachkräftestrategie verfügt und ein Engpass bei Pflegebetten in der Langzeitpflege droht!
Stadt muss endlich eigene Ausbildungswege im Pflegebereich schaffen
„Bereits bei der Entscheidungsfindung für diese Agentur hatte die SPÖ Wels darauf hingewiesen, dass in Österreich selbst ungenutzte Personalreserven bestehen – insbesondere in migrantischen Communities, bei Wiedereinsteigerinnen sowie bei Personen, die über den zweiten Bildungsweg einen Pflegeberuf ergreifen möchten. Die Stadt müsste lediglich bereit sein Geld in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit einem Bildungsträger eigene Ausbildungslehrgänge aufzubauen“, sagt GR Johann Reindl-Schwaighofer.
Ein solches Modell hätte mehrere Vorteile: fixe Einstellungszusagen ab Ausbildungsbeginn, eine angemessene Bezahlung während der verpflichtenden Praktika, sowie eine frühe Bindung der zukünftigen Fachkräfte an die städtischen Pflegeeinrichtungen. Vergleichbare Programme gab es bereits in Wels. So wurden etwa vor der Eröffnung des Pflegeheimes Noitzmühle eigene Lehrgänge zur Personalgewinnung durchgeführt. Aktuell bildet die Stadt im pädagogischen Bereich über die Volkshochschule Kindergartenhelferinnen und -helfer für die städtischen elementarpädagogischen Einrichtungen selbst aus.
Statt diese erprobten und erfolgversprechenden Wege weiter zu gehen, setzt Sozialreferentin Raggl-Mühlberger jedoch erneut auf eine Agentur, die Pflegekräfte aus dem Ausland – insbesondere von den Philippinen – rekrutieren soll. Die SPÖ-Fraktion betont, dass internationale Rekrutierung nicht grundsätzlich falsch ist. Auch globale Fachkräftegewinnung kann ein sinnvoller Bestandteil der Personalstrategie sein. Entscheidend ist jedoch ein Maßnahmenmix, der internationale Ansätze mit lokalen Ausbildungsinitiativen verbindet. Nur ein breites, strategisch abgestimmtes Maßnahmenportfolio kann die Versorgungssicherheit in den Welser Pflegeheimen langfristig gewährleisten.
„Die sozialdemokratische Fraktion fordert die FPÖ-Sozialreferentin daher auf, unverzüglich Gespräche mit geeigneten Bildungsträgern aufzunehmen und eigene Ausbildungsprogramme für die Pflegeausbildung in Wels zu initiieren. Nur durch lokal verankerte, praxisnahe und verbindliche Ausbildungsangebote kann der anhaltende Personalengpass im Pflegebereich nachhaltig gelöst werden“, ergänzt GRin Mag. Hannah Stögermüller.